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Wenn der Kopf nur noch ein Thema kennt: Hyperfokus bei ADHS

Autorenbild: Sandra M.
Sandra M.
26. Aug.
3 Min. Lesezeit

Wir bekommen Katzen.


Und mein Kopf beschäftigt sich seit Tagen gefühlt mit kaum etwas anderem.

Welcher Kratzbaum ist der richtige? Was brauchen sie am ersten Tag? Wo sollen sie schlafen? Welche Pflanzen sind giftig? Brauchen wir wirklich drei Katzenklos? Und wie sieht eigentlich die perfekte Katzenhöhle aus?


Ich kann mich stundenlang damit beschäftigen. Das Problem ist nur: Es gäbe auch noch ein paar andere Dinge zu tun. Mein aktueller Katzenfokus hat mich deshalb an ein Phänomen erinnert, das im Zusammenhang mit ADHS immer wieder Thema ist: Hyperfokus.


Wenn Konzentration plötzlich gar nicht das Problem ist


Bei ADHS wird häufig von Konzentrationsschwierigkeiten gesprochen. Das greift jedoch zu kurz. Menschen mit ADHS können sich manchmal aussergewöhnlich intensiv mit etwas beschäftigen, insbesondere wenn ein Thema neu, interessant oder emotional relevant ist.


Dann kann ein sogenannter Hyperfokus entstehen. Man taucht tief in ein Thema ein, recherchiert, plant oder arbeitet und verliert dabei leicht das Gefühl für die Zeit. Andere Aufgaben geraten in den Hintergrund. Selbst wenn man weiss, dass eigentlich etwas anderes ansteht, kann es schwerfallen, den Fokus zu wechseln.


Manchmal ist nicht das Fokussieren die Herausforderung, sondern das Wechseln des Fokus.

Was kann helfen, wenn der Kopf nicht loslassen will?


Ich könnte mir momentan natürlich einfach vornehmen: Jetzt beschäftige ich mich nicht mehr mit den Katzen.


Aber mein Kopf lässt sich davon nicht unbedingt beeindrucken.


Statt die Begeisterung bremsen zu wollen, können ein paar einfache Strategien helfen, den Fokus wieder auf etwas anderes zu richten.


Einen äusseren Stopp setzen


Mitten in einem interessanten Thema kann das Zeitgefühl schnell verloren gehen. Ein Wecker oder sichtbarer Timer kann einen äusseren Orientierungspunkt schaffen.


Das bedeutet nicht zwingend: Jetzt musst du aufhören. Sondern zunächst: Schau kurz auf. Wie lange bist du schon dabei? Was steht sonst noch an? Möchtest du weitermachen oder ist jetzt etwas anderes wichtiger?


Gedanken aus dem Kopf holen


„Ich muss unbedingt noch nach einer Katzenhöhle schauen.“


Und schon ist die Aufmerksamkeit wieder bei den Katzen.


Statt diesem Gedanken sofort zu folgen, kann es helfen, ihn aufzuschreiben. Ein Notizbuch, eine Liste oder eine Notiz auf dem Handy wird zum Gedankenparkplatz. Die Idee geht nicht verloren und ich kann mich ihr später wieder widmen.


Einen Übergang schaffen


Von etwas, das mich gerade völlig fesselt, direkt zu einer wenig attraktiven Aufgabe zu wechseln, ist nicht unbedingt einfach.


Deshalb kann ein bewusster Übergang helfen. Kurz nach draussen gehen, sich bewegen, einen Kaffee holen oder den Arbeitsplatz wechseln. Es geht darum, den bisherigen Fokus zu unterbrechen und dem Kopf zu signalisieren: Jetzt beginnt etwas Neues.


Den nächsten Schritt möglichst klein machen


Wenn auf der einen Seite ein Thema steht, das mich gerade begeistert, und auf der anderen „Jetzt muss ich arbeiten“, hat die Begeisterung ziemlich gute Karten.

Deshalb hilft es, die andere Aufgabe möglichst konkret und klein zu machen. Statt „Ich muss jetzt arbeiten“ vielleicht nur: „Ich öffne das Dokument.“ Oder: „Ich beschäftige mich fünf Minuten damit.“


Es geht zunächst nicht darum, die ganze Aufgabe zu erledigen. Der kleine erste Schritt soll vor allem den Wechsel erleichtern.


Wenn der Fokus festhängt: Stopp setzen. Gedanken parken. Übergang schaffen. Den nächsten Schritt klein machen.

Begeisterung muss nicht weg


Hyperfokus wird häufig vor allem als Problem betrachtet. Dabei kann die Fähigkeit, tief in ein Thema einzutauchen, auch wertvoll sein. Man kann viel lernen, Zusammenhänge entdecken, kreativ werden und manchmal in kurzer Zeit erstaunlich viel schaffen.


Problematisch wird es vor allem dann, wenn andere wichtige Dinge dauerhaft aus dem Blick geraten oder es kaum noch gelingt, den Fokus wieder zu lösen.


Ich werde vermutlich trotzdem noch einige Katzenhöhlen anschauen. Und das ist auch in Ordnung.


Es geht nicht darum, Begeisterung zu bremsen. Sondern darum, einen Weg zu finden, sie zu nutzen, ohne dass alles andere aus dem Blick gerät.



Über mich


Ich bin Sandra Mäusli, ADHS Coach für Erwachsene und Professionals.


In meiner Arbeit begleite ich Menschen dabei, ihre Stärken besser zu verstehen, individuelle Strategien zu entwickeln und ihren Alltag mit mehr Klarheit, Struktur und Selbstvertrauen zu gestalten.


Mit meinen Artikeln möchte ich dazu beitragen, dass ADHS besser verstanden wird – von Betroffenen, ihrem Umfeld und der Arbeitswelt.


Lass uns ins Gespräch kommen


Ich bin überzeugt, dass nachhaltige Veränderung nicht mit mehr Druck beginnt, sondern mit mehr Verständnis.


Wenn du dich in diesem Artikel wiedererkennst oder mehr über mein Coaching erfahren möchtest, freue ich mich, dich kennenzulernen.





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