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Du bist eine Frau. Erfolgreich. Und niemand denkt an ADHS.

Autorenbild: Sandra M.
Sandra M.
17. Aug.
4 Min. Lesezeit

Du bist eine Frau. Du bist erfolgreich. Menschen verlassen sich auf dich und du trägst Verantwortung. Im Beruf, in deiner Familie oder in beidem.


Trotzdem fühlt sich manches für dich anstrengender an, als es nach aussen aussieht.


Von aussen sieht niemand, wie viel Kraft und Energie du jeden Tag investierst, damit alles funktioniert. Genau deshalb wird ADHS bei Frauen oft erst spät oder gar nicht erkannt.


Nicht trotz deines Erfolgs bleibt ADHS oft unerkannt. Sondern gerade wegen deines Erfolgs.

Warum Erfolg ADHS unsichtbar machen kann


Du hast dir etwas aufgebaut. Andere beschreiben dich als organisiert, belastbar und kompetent. Deshalb denkt kaum jemand an ADHS.


Erfolg und ADHS schliessen sich nicht aus.


Viele Frauen mit ADHS bringen Stärken mit, die im Berufsleben wertvoll sein können. Zum Beispiel Kreativität, vernetztes Denken oder die Fähigkeit, sich mit grosser Begeisterung in Themen zu vertiefen.


Doch Erfolg erzählt nie die ganze Geschichte. Was kaum jemand wahrnimmt, ist der Weg dorthin.


Vielleicht bereitest du dich länger auf ein Meeting vor als deine Kolleginnen und Kollegen. Vielleicht helfen dir Listen, Erinnerungen im Kalender oder feste Routinen dabei, den Überblick zu behalten. Vielleicht kontrollierst du deine Arbeit lieber noch einmal, bevor du sie abgibst.


Dieser zusätzliche Aufwand bleibt meist unsichtbar.


In meiner Zeit als Führungskraft habe ich Frauen erlebt, die ihre Arbeit hervorragend gemacht haben und erst Jahre später eine ADHS Diagnose erhielten. Rückblickend ergaben plötzlich viele Situationen Sinn. Erst dann wurde sichtbar, wie viel Energie sie jeden Tag investiert hatten, damit im Alltag alles funktionierte.


Was andere wahrnehmen, ist das Ergebnis. Nicht der Weg dorthin.

ADHS sieht bei Frauen häufig anders aus


Warum wird ADHS bei Frauen so häufig übersehen?


Ein Grund dafür ist, dass ADHS lange Zeit vor allem anhand von Jungen erforscht wurde. Entsprechend prägt bis heute das Bild des zappeligen Kindes unsere Vorstellung von ADHS.


Vielleicht erkennst du dich darin überhaupt nicht wieder. Denn ADHS kann sich ganz unterschiedlich zeigen.


Nicht jedes ADHS geht mit Hyperaktivität einher. Manche Frauen waren schon als Mädchen eher die Tagträumerin als die Klassenclownin. Sie verloren sich in Gedanken, vergassen Dinge oder hatten Mühe, ihre Aufmerksamkeit über längere Zeit zu halten.


Andere erleben Hyperaktivität. Sie zeigt sich jedoch häufig nicht durch ständige Bewegung, sondern als innere Unruhe. Der Kopf kommt nicht zur Ruhe. Gedanken wechseln ständig. Abschalten fällt schwer.


Und all das kann ADHS sein.


Du hast gelernt, dich anzupassen


Vielleicht hast du schon früh gemerkt, dass dir manches schwerer fiel als anderen. Also hast du gelernt, es auszugleichen. Du bereitest dich besonders gut vor, schreibst Listen, kontrollierst lieber noch einmal, arbeitest etwas länger und gibst dir besonders viel Mühe.


Für dieses ständige Anpassen gibt es einen Begriff. Masking.


Masking bedeutet, Eigenschaften oder Verhaltensweisen bewusst oder unbewusst zu überspielen, um Erwartungen zu erfüllen oder möglichst nicht aufzufallen.


Mit der Zeit wirst du darin immer besser. So gut, dass andere oft gar nicht merken, wie anstrengend dein Alltag manchmal ist.


Masking hat noch eine weitere Folge: wenn niemand erkennt, was dich belastet, kann dir auch niemand gezielt Unterstützung anbieten.


Wer ständig versucht, alles allein zu schaffen, nimmt anderen ungewollt auch die Möglichkeit, Unterstützung anzubieten.

Immer funktionieren


Masking kann über viele Jahre funktionieren, doch dauerhaft hinterlässt es Spuren.


Nach aussen scheint alles zu funktionieren. Innen gehen die Kräfte langsam zur Neige.


Immer häufiger wird in diesem Zusammenhang auch der Begriff neurodivergentes Burnout verwendet. Gemeint ist ein Zustand tiefer körperlicher und emotionaler Erschöpfung, der unter anderem durch jahrelanges Masking und den dauerhaften Versuch entstehen kann, sich an Erwartungen anzupassen.


Wenn die Strategien nicht mehr reichen


Irgendwann reichen die Strategien nicht mehr aus. Nicht, weil du plötzlich weniger belastbar bist. Sondern weil das Leben neue Anforderungen mit sich bringt.


Eine Führungsfunktion. Die Geburt eines Kindes. Die Pflege von Angehörigen. Eine Trennung. Oder hormonelle Veränderungen während der Prämenopause oder Menopause können dazu führen, dass das, was jahrelang funktioniert hat, plötzlich nicht mehr ausreicht.


Gerade hormonelle Veränderungen können ADHS Symptome verstärken und bisher gut funktionierende Strategien aus dem Gleichgewicht bringen.


Die Symptome sind oft nicht neu. Neu ist, dass die bisherigen Strategien nicht mehr ausreichen.

Die Diagnose kommt oft spät


Viele Frauen erhalten ihre ADHS Diagnose erst im Erwachsenenalter.


Nicht selten wurden zuvor Angststörungen, Depressionen oder ein Burnout diagnostiziert. Manchmal trifft das auch zu. Manchmal steckt zusätzlich ein bisher unerkanntes ADHS dahinter.


Für viele Frauen ist die Diagnose vor allem eines.


Eine Erklärung.


Nicht dafür, wer sie sind. Sondern dafür, warum sich vieles im Leben anstrengender angefühlt hat, als es nach aussen aussah.


Plötzlich ergibt vieles Sinn


Jahrelang hast du dir vielleicht gesagt, dass du einfach besser organisiert sein müsstest. Disziplinierter. Konsequenter.


Rückblickend ergibt vieles Sinn. Nicht als Entschuldigung, sondern als Erklärung.


Eine Erklärung dafür, warum dir manches schwerer fiel als anderen.


Sich selbst zu verstehen bedeutet nicht, Ausreden zu suchen. Es bedeutet, die eigenen Stärken ebenso zu erkennen wie die eigenen Bedürfnisse.


Es geht darum, dich selbst besser zu verstehen. Und herauszufinden, was dir guttut und welche Rahmenbedingungen du brauchst, um dein Potenzial zu entfalten.


Reflexionsfrage


Wie viel Energie investierst du jeden Tag, damit niemand merkt, wie anstrengend dein Alltag manchmal ist?



Über mich


Ich bin Sandra Mäusli, ADHS Coach für Erwachsene und Professionals.


In meiner Arbeit begleite ich Menschen dabei, ihre Stärken besser zu verstehen, individuelle Strategien zu entwickeln und ihren Alltag mit mehr Klarheit, Struktur und Selbstvertrauen zu gestalten.


Mit meinen Artikeln möchte ich dazu beitragen, dass ADHS besser verstanden wird – von Betroffenen, ihrem Umfeld und der Arbeitswelt.


Lass uns ins Gespräch kommen


Ich bin überzeugt, dass nachhaltige Veränderung nicht mit mehr Druck beginnt, sondern mit mehr Verständnis.


Wenn du dich in diesem Artikel wiedererkennst oder mehr über mein Coaching erfahren möchtest, freue ich mich, dich kennenzulernen.





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