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Und wo zeigt dein Kompass hin?

Autorenbild: Sandra M.
Sandra M.
9. Okt.
3 Min. Lesezeit

Die Windrose von Sagres. Ein historisches Monument, in Reiseführern angepriesen und angeblich unbedingt sehenswert. Meine Erwartungen waren entsprechend hoch.

Und dann stand ich davor. Ein grosser Kreis aus trockener Erde, ein paar Steine. Das war’s.


Ich musste lachen. So viel Erwartung – und so wenig Wow.


Während meines Aufenthalts erreichte mich auch eine Nachricht von zu Hause. Darin Sätze wie «Man sollte doch …» und «Es ist doch klar, dass …».


Zwei völlig unterschiedliche Situationen. Und doch ging es in beiden um dasselbe: Erwartungen.


Und plötzlich fand ich die Windrose doch ganz interessant.


Erwartungen – unsere eigenen und die der anderen


Wir haben Erwartungen an Orte, Erlebnisse und Menschen. Und andere haben sie an uns. Wie wir uns verhalten sollten, welche Entscheidungen wir treffen müssten und was in unserem Alter, unserer Rolle oder unserer Lebenssituation doch eigentlich selbstverständlich sein sollte.


Manche dieser Erwartungen sind hilfreich. Sie geben uns Orientierung und schaffen Verbindlichkeit. Andere setzen uns unter Druck oder schränken uns ein. Besonders dann, wenn wir versuchen, Vorstellungen zu erfüllen, die gar nicht unsere eigenen sind.

Oft übernehmen wir solche Erwartungen, ohne sie bewusst zu hinterfragen. Von unseren Eltern, unserem Umfeld, der Gesellschaft oder aus früheren Lebensphasen.


Was einmal richtig und wichtig war, muss nicht für immer passen.

Gerade wenn sich unser Leben verändert, lohnt es sich deshalb, den eigenen Kompass wieder einmal zu überprüfen.


Was ist mir heute wirklich wichtig? Welche Werte möchte ich leben? Welche Erwartungen an mich selbst sind noch sinnvoll, und welche trage ich nur mit mir herum, weil sie irgendwann einmal selbstverständlich waren?


Und vielleicht die schwierigste Frage: Welche Erwartungen anderer möchte ich überhaupt noch erfüllen?


Let Them. Let Me.


In diesem Zusammenhang gefällt mir die Let Them Theory von Mel Robbins. Ihr Grundgedanke ist ebenso einfach wie befreiend: Wir können nicht kontrollieren, was andere denken, sagen oder von uns erwarten. Aber wir können entscheiden, wie wir damit umgehen.


Let them. Lass andere ihre eigenen Erwartungen haben. Lass sie deine Entscheidungen hinterfragen, anderer Meinung sein oder über dich sprechen. Du musst nicht jede Meinung korrigieren, dich ständig erklären oder versuchen, es allen recht zu machen.

Das bedeutet nicht, dass uns andere Menschen egal sein sollten. Es bedeutet vielmehr, anzuerkennen, dass ihre Erwartungen nicht automatisch zu unseren Verpflichtungen werden.


Mindestens ebenso wichtig ist deshalb der zweite Teil:


Let me. Lass mich entscheiden, was für mein Leben richtig ist. Lass mich meine Werte überprüfen, meine Meinung ändern und Erwartungen loslassen, die nicht mehr zu mir passen.


Es geht dabei nicht um Egoismus oder darum, grundsätzlich gegen die Erwartungen anderer zu handeln. Sondern darum, bewusst zu entscheiden, welche Erwartungen mit den eigenen Werten übereinstimmen und welche nicht.


Vielleicht ist es an der Zeit, auch deinen eigenen Kompass wieder einmal zu überprüfen. Was ist dir heute wirklich wichtig? Welche Erwartungen passen noch zu deinem Leben, und welche darfst du loslassen?


Lass andere ihre Erwartungen haben. Und erlaube dir, deinen eigenen Weg zu gehen. Nicht aus Trotz, sondern weil es dein Leben ist.


Vielleicht war die Windrose von Sagres also doch sehenswerter, als ich zuerst dachte.


Nur anders als erwartet.



Über mich


Ich bin Sandra Mäusli, ADHS Coach für Erwachsene und Professionals.


In meiner Arbeit begleite ich Menschen dabei, ihre Stärken besser zu verstehen, individuelle Strategien zu entwickeln und ihren Alltag mit mehr Klarheit, Struktur und Selbstvertrauen zu gestalten.


Mit meinen Artikeln möchte ich dazu beitragen, dass ADHS besser verstanden wird – von Betroffenen, ihrem Umfeld und der Arbeitswelt.


Lass uns ins Gespräch kommen


Ich bin überzeugt, dass nachhaltige Veränderung nicht mit mehr Druck beginnt, sondern mit mehr Verständnis.


Wenn du dich in diesem Artikel wiedererkennst oder mehr über mein Coaching erfahren möchtest, freue ich mich, dich kennenzulernen.




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