Von der Führungskraft zur ADHS-Coachin: Warum ich heute Erwachsene mit ADHS begleite
Aktualisiert: 12. Juli

"Ich möchte dir etwas sagen. Ich habe ADHS."
Diesen Satz sagte ein junger Mitarbeiter an seinem ersten Arbeitstag zu mir.
Ich erinnere mich noch gut an diesen Moment. Was mich bis heute beeindruckt, ist der Mut, den es brauchte, mir das gleich zu Beginn unserer Zusammenarbeit anzuvertrauen.
Damals wusste ich noch nicht viel über ADHS.
Also tat ich das, was ich als Führungskraft immer getan hatte: Ich hörte zu, beobachtete und versuchte zu verstehen, was dieser Mitarbeiter brauchte, um erfolgreich zu sein.
Heute weiss ich: Damals begann ich, neuroinklusiv zu führen, ohne diesen Begriff überhaupt zu kennen.
In den Wochen und Monaten danach lernte ich einen intelligenten, engagierten und kreativen Mitarbeiter kennen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass ihm gewisse Aufgaben oder Situationen deutlich mehr Energie abverlangten als anderen.
Das weckte meine Neugier.
Nicht auf ADHS als Diagnose.
Sondern auf eine viel grundlegendere Frage:
Was braucht dieser Mensch, um erfolgreich zu sein?
Ich begann zu lesen, Fragen zu stellen und mich intensiv mit ADHS auseinanderzusetzen.
Je mehr ich lernte, desto besser verstand ich, wie unterschiedlich Menschen denken, Informationen verarbeiten und ihre Stärken einbringen.
Einige Jahre später begleitete ich eine Mitarbeiterin, die erst nach der Geburt ihres Kindes die Diagnose ADHS erhielt. Gemeinsam reflektierten wir immer wieder, welche Situationen sie besonders forderten, was ihr Energie gab und welche Rahmenbedingungen ihr halfen, ihre Stärken im Berufsalltag optimal einzusetzen.
Diese beiden Begegnungen waren nicht die einzigen. Doch sie stehen stellvertretend für viele Erfahrungen, die mich als Führungskraft geprägt haben.
Sie haben mir gezeigt, wie unterschiedlich ADHS aussehen kann. Manche Menschen kennen ihre Diagnose schon seit ihrer Kindheit. Andere erfahren erst als Erwachsene, warum ihnen bestimmte Dinge ihr Leben lang schwergefallen sind.
Gute Führung beginnt mit Verständnis
Über viele Jahre durfte ich Mitarbeitende begleiten, Talente fördern und Teams entwickeln. Dabei habe ich immer wieder erlebt, wie unterschiedlich Menschen denken, lernen und arbeiten.
Für mich bedeutet gute Führung nicht, alle Menschen gleich zu behandeln.
Sie beginnt mit echter Neugier auf den Menschen.
Mit dem Wunsch zu verstehen, was jemanden motiviert.
Wo die Stärken liegen.
Und welche Rahmenbedingungen helfen, diese Stärken einzubringen.
Immer wieder stellte ich mir dieselbe Frage:
Was braucht dieser Mensch, um erfolgreich zu sein?
Heute weiss ich, dass genau diese Haltung auch die Grundlage eines guten Coachings ist.
Mit der Zeit wurde mir immer deutlicher, wie viele Erwachsene mit grossem Potenzial ihr Leben lang versucht haben, Erwartungen zu erfüllen und dabei oft den Blick für ihre eigenen Stärken verloren haben.
Warum ich heute Erwachsene mit ADHS begleite
Irgendwann wurde mir klar, dass ich dieses Wissen vertiefen wollte.
Deshalb absolvierte ich das CAS ADHS-Coaching und -Beratung am PLI® und spezialisierte mich auf die Begleitung von Erwachsenen mit ADHS.
Heute verbinde ich meine langjährige Erfahrung als Führungskraft mit fundiertem Wissen über ADHS und Neurodivergenz.
Ich kenne die Anforderungen moderner Arbeitswelten. Ich weiss, wie es sich anfühlt, Verantwortung zu tragen, Leistung zu erbringen und gleichzeitig den eigenen Ansprüchen gerecht werden zu wollen.
Vor allem aber weiss ich, wie viel möglich wird, wenn Menschen beginnen, sich selbst besser zu verstehen.
Mein Verständnis von Coaching
Ich bin überzeugt, dass nachhaltige Veränderung nicht mit Selbstoptimierung beginnt.
Sondern mit Selbstverständnis.
Ich möchte Menschen nicht verändern oder «reparieren». ADHS ist kein Charakterfehler und keine Frage von Intelligenz, Motivation oder Willenskraft.
Im Coaching begleite ich Menschen dabei, zu verstehen, wie ihr Gehirn arbeitet, welche Stärken darin liegen und welche Strategien wirklich zu ihnen passen.
Denn wenn wir verstehen, wie wir funktionieren, hören wir auf, ständig gegen uns selbst zu arbeiten. Stattdessen können wir unsere Energie dort einsetzen, wo sie ihre grösste Wirkung entfaltet.
Für mich gibt es kaum etwas Schöneres, als mitzuerleben, wenn Menschen beginnen, sich selbst mit anderen Augen zu sehen.
Wenn aus Selbstzweifeln Verständnis wird.
Und sie den Mut finden, ihren eigenen Weg zu gehen.
Genau deshalb habe ich Mäusli Coaching gegründet.
Weil ich überzeugt bin, dass jeder Mensch sein Potenzial entfalten kann – nicht indem er jemand anderes wird, sondern indem er sich selbst besser versteht.
Vielleicht beginnt genau dort auch dein Weg.
Lass uns ins Gespräch kommen
Ich bin überzeugt, dass nachhaltige Veränderung nicht mit mehr Druck beginnt, sondern mit mehr Verständnis.
Wenn du dich in diesem Artikel wiedererkennst oder mehr über mein Coaching erfahren möchtest, freue ich mich, dich kennenzulernen.



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