Leistung beginnt mit empathischer Führung. Nicht mit Druck.
- Sandra M.
- 12. Juli
- 4 Min. Lesezeit

Warum psychologische Sicherheit die Grundlage für nachhaltige Leistung ist.
Vor Kurzem habe ich für einen LinkedIn-Beitrag eine Präsentationsfolie mit der Überschrift „Psychological Safety for President.“ erstellt.
Ich habe diesen Satz bewusst gewählt, weil ich überzeugt bin, dass er stimmt.
Denn kaum ein Konzept wird heute so häufig erwähnt wie psychologische Sicherheit. Gleichzeitig wird kaum ein Begriff so oft missverstanden.
Viele verbinden sie mit Harmonie, einer Wohlfühlkultur oder mit Führungskräften, die niemanden mehr fordern dürfen.
Dabei beschreibt psychologische Sicherheit etwas ganz anderes.
Sie bedeutet, dass Menschen sich trauen, Fragen zu stellen, Fehler anzusprechen, Ideen einzubringen oder eine andere Meinung zu vertreten, ohne Angst vor negativen Konsequenzen haben zu müssen.
Nicht weniger Leistung.
Sondern bessere Voraussetzungen für Leistung.
Für mich ist deshalb nicht die spannendste Frage, was psychologische Sicherheit ist.
Sondern wie sie entsteht.
Psychologische Sicherheit ist kein Selbstzweck. Sie schafft die Voraussetzungen für nachhaltige Leistung.
Für mich beginnt sie mit empathischer Führung.
Ich spreche bewusst von empathischer Führung (Empathic Leadership).
Gemeint ist damit nicht einfach Empathie oder ein besonders netter Führungsstil.
Für mich beginnt empathische Führung mit Neugier und der Bereitschaft, Menschen wirklich kennenlernen zu wollen.
Zu verstehen, was ihnen Energie gibt, worin ihre Stärken liegen, wie sie am besten arbeiten, welche Rahmenbedingungen sie brauchen und was sie daran hindert, erfolgreich zu sein.
Was das in der Praxis bedeutet, zeigt ein Beispiel aus meiner Zeit als Führungskraft.
Ich erinnere mich an eine Mitarbeiterin, die jeden Morgen unter Zeitdruck ins Büro kam, weil sie ihre Kinder vor Arbeitsbeginn in die Krippe bringen musste.
Deshalb haben wir uns ihre Situation gemeinsam angeschaut und nach einer Lösung gesucht.
An einigen Tagen begann sie später und arbeitete bei Bedarf am Abend von zu Hause weiter. An anderen Tagen übernahm ihr Partner das Bringen der Kinder, sodass sie früher im Büro sein konnte.
Nicht die Erwartungen an ihre Leistung haben sich verändert, sondern die Rahmenbedingungen.
Genau das hat den Unterschied gemacht.
Genau das verstehe ich unter empathischer Führung.
Nicht Erwartungen zu senken. Sondern die Voraussetzungen zu schaffen, damit Menschen hohe Erwartungen erfüllen können.
Leistung entsteht dort, wo Stärken und Rahmenbedingungen zusammenpassen.
In meinen Jahren als Führungskraft habe ich immer wieder erlebt, dass Spitzenleistung selten dadurch entsteht, dass alle möglichst dasselbe tun.
Die leistungsstärksten Teams waren nicht die homogensten.
Es waren Teams, in denen unterschiedliche Stärken bewusst genutzt wurden.
Deshalb war es für mich wichtig, Aufgaben möglichst so zuzuteilen, dass Menschen ihre Stärken einbringen konnten.
Natürlich gehört zu jeder Funktion auch Arbeit, die weniger Freude macht.
Wenn Mitarbeitende jedoch einen grossen Teil ihrer Zeit mit Aufgaben verbringen können, die ihren Stärken entsprechen und in einem Umfeld arbeiten, das zu ihnen passt, verändert sich etwas.
Sie erzielen häufig bessere Ergebnisse, benötigen dafür weniger Energie, übernehmen mehr Verantwortung und bringen ihre Ideen aktiver ein.
Oft sind sie sogar bereit, die berühmte Extrameile zu gehen – nicht, weil sie müssen, sondern weil sie erleben, dass ihre Führungskraft sie kennt, ihnen vertraut und ihnen zutraut, ihr Bestes zu geben.
Empathische Führung bedeutet nicht, Erwartungen zu senken. Sie bedeutet, die Voraussetzungen zu schaffen, damit Menschen hohe Erwartungen erfüllen können.
Genau daraus entsteht psychologische Sicherheit.
Wer erlebt, dass die eigene Meinung willkommen ist, Fehler nicht gegen einen verwendet werden und die eigenen Stärken gesehen werden, bringt sich eher ein.
Menschen stellen Fragen, sprechen Probleme früher an, übernehmen Verantwortung und lernen voneinander.
Genau das verstehe ich unter psychologischer Sicherheit.
Dass solche Teams erfolgreicher zusammenarbeiten, überrascht mich deshalb nicht.
Die Forschung zeigt seit Jahren, dass Teams mit hoher psychologischer Sicherheit schneller lernen, Fehler früher erkennen, Wissen häufiger teilen und innovativer sind.
Besonders die Arbeiten von Amy Edmondson haben gezeigt, wie entscheidend psychologische Sicherheit für Lernen, Zusammenarbeit und Leistung in Teams ist.
Nicht, weil weniger Leistung erwartet wird.
Sondern weil weniger Energie für Selbstschutz verloren geht.
Diese Energie kann stattdessen in Zusammenarbeit, Kreativität, Verantwortung und letztlich in Leistung investiert werden.
Neurodivergenz macht sichtbar, was für alle gilt.
In meiner Arbeit mit Erwachsenen mit ADHS werde ich häufig gefragt, ob neurodivergente Mitarbeitende besondere Rahmenbedingungen brauchen.
Meine Antwort lautet meistens: nicht unbedingt.
Die meisten Menschen profitieren von Klarheit, Vertrauen, verständlichen Erwartungen und Führungskräften, die ihre Mitarbeitenden wirklich kennen.
Neurodivergente Menschen spüren fehlende Rahmenbedingungen häufig schneller und intensiver.
Gerade deshalb macht Neurodivergenz sichtbar, was gute Führung für alle bedeutet:
Je unterschiedlicher Menschen sind, desto wichtiger wird gute Führung.
Nicht, weil alle unterschiedliche Regeln brauchen.
Sondern weil gute Führung bedeutet, Menschen so zu führen, dass sie ihre Stärken wirksam einsetzen können.
Mein Fazit
Psychologische Sicherheit ist für mich kein Selbstzweck. Sie ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für nachhaltige Leistung.
Wer seine Mitarbeitenden kennt, ihre Stärken gezielt einsetzt und Rahmenbedingungen schafft, in denen sie erfolgreich sein können, schafft Vertrauen.
Aus Vertrauen entsteht psychologische Sicherheit.
Und aus psychologischer Sicherheit entstehen bessere Zusammenarbeit, mehr Verantwortung, mehr Innovation und bessere Ergebnisse.
Deshalb geht es bei empathischer Führung nicht darum, Menschen zu schonen.
Es geht darum, die Voraussetzungen zu schaffen, damit Menschen ihr Bestes geben können.
Leistung entsteht nicht trotz psychologischer Sicherheit.
Sie entsteht gerade durch sie.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Aufgabe guter Führung:
Bedingungen zu schaffen, unter denen sie ihr Bestes geben können.
Lass uns ins Gespräch kommen
Ich bin überzeugt, dass nachhaltige Veränderung nicht mit mehr Druck beginnt, sondern mit mehr Verständnis.
Wenn du dich in diesem Artikel wiedererkennst oder mehr über mein Coaching erfahren möchtest, freue ich mich, dich kennenzulernen.
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